Eine Wandfarbe, die man jeden Tag sieht, verändert mit der Zeit ihre Wirkung. Was am Anfang frisch aussah, fällt irgendwann nicht mehr auf — oder es stört. Woran das liegt, haben wir im Beitrag über die Wahl einer Wandfarbe beschrieben.
Mit dem Bildschirm im Büro ist es nicht anders, nur sieht man ihn länger an als jede Wand: Angebote, Aufmaße, Rechnungen, die Planung der nächsten Woche — oft den ganzen Tag, manchmal noch nach Feierabend. Trotzdem bleibt die Darstellung einer Software oft so, wie sie bei der Einrichtung eingestellt wurde.
Dabei lohnt sich die Frage, wann es sinnvoll ist, Farben, Schrift und Kontrast einer Software umzustellen — und was die Software dafür bieten sollte. Für die Antwort gibt es mehr Grundlage als den Geschmack: Untersuchungen dazu, wann Menschen ihre Software anpassen, eine Arbeitsschutzregel für Bildschirmarbeit und Studien zur Lesbarkeit.
Warum Software selten umgestellt wird
Wie Menschen ihre Software anpassen, ist gut untersucht, auch wenn die bekanntesten Studien schon älter sind. Mitte der Neunzigerjahre zeichneten Forscher bei 101 Nutzern eines Textverarbeitungsprogramms auf, was sie an ihrer Software veränderten.[1] Fast alle stellten irgendetwas um, 92 Prozent — vor allem Voreinstellungen und Symbolleisten. Das Aussehen dagegen veränderten weniger als 15 Prozent.
Wann Menschen etwas umstellen, hat die Informatikerin Wendy Mackay schon 1991 beobachtet.[2] Den Anlass gibt nicht der Kalender, sondern ein Moment im Alltag: Etwas ist lästig oder kostet Zeit. Man merkt, dass man dieselben Schritte immer wieder macht. Oder nach einem Update soll die Software wieder so funktionieren wie vorher.
Warum Menschen Einstellungen nicht ändern
Drei Dinge entscheiden, ob jemand etwas umstellt.
Was die Forschung über den richtigen Zeitpunkt und die Nutzung neuer Einstellungen zeigt.
Zeitpunkt
Mitten in der Arbeit will niemand etwas umstellen.
Wissen
Man muss die Einstellung überhaupt kennen.
Vorbilder
Wer andere dabei sieht, probiert es eher selbst.
Umgestellt wird, wenn etwas stört — nicht nach Kalender.
Für einen Betrieb folgen daraus zwei Dinge. Die Grundeinstellung entscheidet, wie die meisten Mitarbeiter jeden Tag arbeiten, und sollte deshalb gut gewählt sein. Und wer etwas ändern will, muss die Einstellung in dem Moment finden, in dem ihn etwas stört — ohne dafür einen halben Tag zu brauchen.
Was die Regeln für Bildschirmarbeit verlangen
Seit Juli 2024 gibt es eine eigene Technische Regel für Bildschirmarbeit, die ASR A6.[4] Sie konkretisiert, was die Arbeitsstättenverordnung für Bildschirmarbeitsplätze verlangt, und gilt damit auch für das Büro eines Handwerksbetriebs. Wer sich an die Regel hält, kann davon ausgehen, die Anforderungen der Verordnung zu erfüllen.
Einige ihrer Anforderungen betreffen nicht den Bildschirm, sondern die Software selbst:
Software muss individualisierbar sein. Die Zeichenhöhen müssen im Nutzungskontext anpassbar sein. Helligkeit und Kontrast müssen eingestellt werden können.
ASR A6 Bildschirmarbeit, Abschnitte 6.2 und 6.1.3 bis 6.1.4
Für den Kontrast zwischen Zeichen und Untergrund nennt die Regel mindestens 4:1. Sie beschreibt außerdem die Positivdarstellung, also dunkle Zeichen auf hellem Grund. Ob ein Arbeitsplatz die Regel erfüllt, beurteilt der Betrieb selbst in seiner Gefährdungsbeurteilung.
Bei uns
Schrift und Kontrast lassen sich einstellen.
krafteq Handwerk ist Standardsoftware, die wir gerade mit den ersten Betrieben einführen.
Schriftgröße
Vier Stufen von 100 bis 125 Prozent.
Kontrast
Probieren Sie es aus: Schieben Sie die Regler.
Ob Ihr Arbeitsplatz damit insgesamt passt, bewerten Sie wie bisher in Ihrer Gefährdungsbeurteilung.
Fünf Anlässe, bei denen eine andere Darstellung hilft
In diesen fünf Situationen hilft eine andere Einstellung als die gewohnte.
Wenn das Gewohnte stört
Eine Farbe, die man täglich sieht, gefällt erst immer besser und irgendwann weniger — kräftige Töne schneller als zurückhaltende. Eine gute Software lässt deshalb die Farben wechseln, ohne dass sich an der Bedienung etwas ändert: Menüs und Abläufe bleiben, wo sie sind.
- Vorlage
- Akzentfarbe
- Grauton
Bei uns
- Drei Vorlagen: Werkbank, Werkstatt und Kontrastreich
- Danach jeder Wert einzeln: Akzentfarbe, Grauton, Seitenleiste, Kopfzeile
- Eine Vorschau zeigt das Ergebnis, bevor Sie speichern
Abends am Schreibtisch: Hell bleibt für die meisten besser lesbar
Büroarbeit fällt im Handwerk oft nach Feierabend an, und sie wird mehr: 74 Prozent von 10.630 befragten Betrieben sagen, der bürokratische Aufwand sei in fünf Jahren gestiegen.[5] Für den Abend bieten viele Programme eine dunkle Darstellung an. Gelesen wird aber meist besser hell: Jüngere wie ältere Erwachsene arbeiten mit dunkler Schrift auf hellem Grund genauer.[6] Die Nielsen Norman Group empfiehlt deshalb, die dunkle Darstellung anzubieten, aber nicht als Standard zu setzen.[7] Auch eine Studie von 2025 fand im hellen und im dunklen Modus etwa gleich müde Augen.[8]
- hell
- dunkel
- einzelne Farbwerte
Bei uns
- Dunkle Darstellung über die einzelnen Farbwerte: Seitenhintergrund, Karten, Schrift, Seitenleiste
- Eher eine Aufgabe für den, der sich im Betrieb um die Technik kümmert
- Die Kontrastprüfung achtet darauf, dass alles lesbar bleibt
Größere Schrift und mehr Kontrast: draußen und mit den Jahren
Auf der Baustelle wird am Tablet gelesen, oft im Stehen und manchmal im Sonnenlicht. Mit den Jahren lässt zudem die Nahsicht nach — die Alterssichtigkeit. In beiden Fällen helfen größere Schrift und mehr Kontrast; die ASR A6 verlangt, dass sich die Zeichenhöhe anpassen lässt. Größer ist aber nicht automatisch besser: Bei sehr großer Schrift wird das Lesen wieder langsamer, zeigt eine Auswertung von zwölf Studien.[9] Sinnvoll sind daher einige feste Stufen.
- Schriftgröße
- Kontrast
- Tablet
Bei uns
- Schriftgröße bis 125 Prozent und kräftigere Schriftstärke
- Kontraststufe Hoch und Dichte Komfortabel mit größeren Schaltflächen und Zeilen
- Die Vorlage Werkstatt bringt das gebündelt mit
- Auf dem Tablet im Hochformat die mobile Ansicht mit einer Leiste am unteren Rand
Wenn Farben allein nicht reichen
Rund acht Prozent der Männer in Europa haben eine Rot-Grün-Sehschwäche, bei Frauen etwa 0,4 Prozent.[10] In einem Betrieb mit zwölf Männern ist rechnerisch also einer betroffen. Wichtiges darf deshalb nicht nur an der Farbe hängen: Ein Status wie „überfällig“ sollte auch als Wort dastehen, und Schrift muss sich deutlich vom Hintergrund abheben.
- Kontrastprüfung
- Status als Wort
Bei uns
- Status wie "überfällig" oder "bezahlt" stehen zusätzlich zur Farbe als Wort da
- Jede Farbkombination wird gegen Mindestwerte geprüft
- Liegt ein Paar darunter, lässt sich nicht speichern, und die Software schlägt die nächste lesbare Farbe vor
Wenn der Betrieb neue Farben bekommt
Neues Logo, neu beschriftete Fahrzeuge, neue Arbeitskleidung: Dann passt die Farbe der Software oft nicht mehr dazu. Eine gute Software übernimmt die Firmenfarbe als Akzent, ohne dass die Lesbarkeit leidet.
- Akzentfarbe
- Logo
Bei uns
- Die Firmenfarbe tragen Sie als Farbwert ein
- Ist sie für Schrift zu hell, dunkelt die Software sie dort so weit ab, dass sie lesbar bleibt
- Ihr Logo hinterlegen Sie einmal im Unternehmensprofil
Einer legt den Standard fest, jeder kann nachjustieren
Die Grundeinstellung ist die wichtigste, denn mit ihr arbeiten die meisten. Sie sollte für den ganzen Betrieb gelten und von jemandem festgelegt werden, der die Arbeitsplätze kennt. Wer etwas anderes braucht, etwa eine größere Schrift oder eine dunkle Darstellung, sollte es für sich ändern können, ohne die Einstellung der anderen zu berühren. Und was unlesbar wäre, sollte sich gar nicht erst speichern lassen.
Ein guter Standard für alle, eine eigene Einstellung für jeden, der sie braucht.
Genau so ist es in krafteq Handwerk aufgeteilt: Den Standard legt der Betrieb unter Einstellungen fest, eigene Werte trägt jeder Mitarbeiter unter Meine Darstellung ein.
So greift es bei uns ineinander
- BetriebStandard für alle
- SchalterAnpassen erlaubt?
- Jedereigene Werte, Rest vom Betrieb
- PrüfungUnlesbares gesperrt
Ist der Schalter aus, sehen alle die Darstellung des Betriebs, und eigene Anpassungen bleiben gespeichert. Wie Angebote und Rechnungen gedruckt aussehen, legen Sie davon getrennt in den Drucklayouts fest.
Wie das an Ihren eigenen Arbeitsplätzen wirkt — im Büro, am Tablet, abends —, sehen Sie am besten selbst. Sie testen kostenlos in einer eigenen Testsoftware, die wir von Hand einrichten, in der Regel innerhalb von drei Werktagen. Danach bekommen Sie ein individuelles, schriftliches Angebot, und wir richten Ihren Betrieb gemeinsam mit Ihnen ein. Der Test ist für Handwerksbetriebe gedacht; wer lieber zuerst mit uns spricht, vereinbart ein Erstgespräch.
Fazit: Anders als bei der Wand
Eine Wand neu zu streichen, braucht einen Maler, einen Arbeitstag und ein ausgeräumtes Zimmer. Bei der Software ist es eine Einstellung, die sich jederzeit zurücknehmen lässt — für den ganzen Betrieb oder nur für einen Arbeitsplatz. Sinnvoll ist sie in dem Moment, in dem etwas stört: abends am Schreibtisch, auf der Baustelle, bei zu kleiner Schrift oder wenn der Betrieb neue Farben bekommt.
Die passende Darstellung hängt davon ab, wo, wann und von wem gearbeitet wird.
Wenn Sie es an Ihren eigenen Arbeitsplätzen ausprobieren wollen, testen Sie kostenlos. Wer lieber zuerst mit uns spricht, vereinbart ein Erstgespräch.
Quellen
- Stanley R. Page, Todd J. Johnsgard, Uhl Albert, C. Dennis Allen: User Customization of a Word Processor, CHI 1996 — 101 Nutzer von WordPerfect 6.0a. ↑
- Wendy E. Mackay: Triggers and Barriers to Customizing Software, CHI 1991 — mehr als 50 Mitarbeiter am MIT über vier Monate; Anlässe zusammengefasst in Quelle [1]. ↑
- Nikola Banovic, Fanny Chevalier, Tovi Grossman, George Fitzmaurice: Triggering Triggers and Burying Barriers to Customizing Software, CHI 2012. ↑
- Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A6 Bildschirmarbeit, Ausgabe Juli 2024, GMBl. 2024 S. 470. ↑
- Zentralverband des Deutschen Handwerks mit den Handwerkskammern: Sonderumfrage Bürokratiebelastung im Handwerk, 1. Quartal 2023, 10.630 Betriebe, hochgerechnet auf das Handwerk. ↑
- C. Piepenbrock, S. Mayr, I. Mund, A. Buchner: Positive display polarity is advantageous for both younger and older adults, Ergonomics 56 (7), 2013. ↑
- Raluca Budiu, Nielsen Norman Group: Dark Mode vs. Light Mode: Which Is Better?, 2. Februar 2020. ↑
- P. Sengsoon, R. Intaruk: Immediate Effects of Light Mode and Dark Mode Features on Visual Fatigue in Tablet Users, International Journal of Environmental Research and Public Health 22 (4), 2025 — 30 Teilnehmerinnen. ↑
- G. Hou, U. Anicetus, J. He: How to design font size for older adults: A systematic literature review with a mobile device, Frontiers in Psychology 13, 2022 — Auswertung von zwölf Studien. ↑
- J. Birch: Worldwide prevalence of red-green color deficiency, Journal of the Optical Society of America A 29, 2012. ↑









